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Sonntag, 23. Mai 2010

Legalisiert die Drogen!

Heute haben ich wieder auf einen Artikel gestoßen, der die noch gängige Argumentation gegen Legalisierung von Drogen widerspiegelt.

Kernaussage:

"Legalisiert der Staat die Drogen macht er sich zum Dealer. Die Legalisierung von Drogen ist somit unmoralisch."

Überprüfen wir dieses Argument.

Gemäß des Drogen- und Suchtberichts der Bundesregierung haben wir in Deutschland folgende Situation:
  • 9 Millionen konsumieren Alkohol in gefährlichen Maße. Wir haben 1,3 Million Schwerstabhängige mit rund 75.000 Toten pro Jahr
  • 16 Millionen Raucher und 140.000 Tote pro Jahr
  • 1,4 - 1,9 Millionen Medikamentenabhängige
Summa summarum konsumieren rund 30% der Bevölkerung regelmäßig gefährliche Drogen.

Demgegenüber stehen 1% bzw. 800.000 regelmäßige Konsumenten illegaler Drogen mit rund 1500 Toten im Jahr.

Fakt ist somit:
  • dass der Konsum von illegalen Drogen gegenüber Alkohol, Nikotin und Medikamenten praktisch bedeutungslos ist.
  • dass der Konsum von gefährlichen Drogen in Deutschland legal und weit verbreitet ist und der Staat kräftig damit verdient
Das erste Ergebnis ist somit:

Wer für ein Verbot von Drogen ist, muss auch zwingend für ein Verbot von Alkohol und Nikotin eintreten. Alles andere wäre eine unhaltbare Doppelmoral.

Wie kontrolliert der Staat den Konsum von Drogen?

Bei legalen Drogen kann der Staat über die Steuern und die Erziehung einen erheblichen Einfluss auf den Konsum nehmen (z.B. Steuern auf Alkohol in Skandinavien, Warnhinweise auf Zigarettenschachteln, Verbot von Werbung, Verbot des Konsums in der Öffentlichkeit etc).

Was passiert wenn der Staat Drogen als illegal erklärt?

Das hat man sehr schön in der amerikanischen Prohibition gesehen. Der Staat gibt die aktive Kontrolle des Marktes auf und überlässt diese stattdessen der organisierten Kriminalität. Den Konsum (den Markt) aber schränkt man nicht damit ein. Das gleiche erlebt man jetzt mit den Kokainhandel in Mexiko oder in Kolumbien. Statt Steuern auf den Konsum von Drogen zu erheben, muss der Staat allerdings jetzt erhebliche Mittel aufwenden um die organisierte Kriminalität wieder einzudämmen, die er sich mit dem Verbot überhaupt erst geschaffen hat.

Erklärt der Staat eine Droge für illegal
  • gibt er die aktive Kontrolle über den Konsum der Droge auf
  • überlässt der Staat die Kontrolle über den Markt dem organisierten Verbrechen
  • entgehen dem Staat Steuern in erheblichen Umfang
  • wird der Konsum der Droge nicht eingedämmt
  • verschwendet der Staat stattdessen erhebliche Steuermittel für die permanent erfolglose Durchsetzung der Verbote
Ergebnis:
  • Der Konsum von Drogen ist weitgehend unabhängig von Gesetzen. Es gibt eine konstante Nachfrage, damit einen Markt, und somit immer auch Handel.
  • Der Konsum von Drogen kann nur über Steuern und Erziehung gesteuert werden
  • Die Frage ob eine Droge legal oder illegal ist entscheidet lediglich darüber, wer den Markt kontrolliert
Mit anderen Worten:

Erklärt der Staat eine Droge für illegal, subventioniert und fördert er organisiertes Verbrechen, schafft somit einen rechtsfreien Raum, verzichtet auf Steuereinnahmen während er gleichzeitig erhebliche Steuermittel verschwendet.

Was bedeutet organisierte Kriminalität?

Ich denke, dass kann man am besten in Mexiko oder Kolumbien sehen. So sind alleine letztes Jahr in Mexiko im Drogenkrieg mehr als 7700 Menschen ums Leben gekommen. In den Ländern in den Drogen produziert werden kontrollieren Kartelle ganze Regionen, halten die Menschen teilweise unter sklavenähnlichen Bedingungen und werden zum Staat im Staate.

Mit anderen Worten:

Erklärt der Gesellschaft eine Droge für illegal handelt die Gesellschaft im höchsten Maße unmoralisch und volkswirtschaftlich dumm.


Das Fazit ist ganz einfach.
Alle Drogen müssen legalisiert werden. Alles andere ist weder logisch noch moralisch zu rechtfertigen.

Oder umgekehrt: Das Verbot von Drogen ist nur mit mit Doppelmoral zu rechtfertigen ;-).

Allerdings muss auch eines klar gesagt sein. Ungefährliche Drogen gibt es nicht.

Mittwoch, 23. Dezember 2009

Was ein Minarettverbot bedeutet

Ich hatte die Tage eine interessante Diskussion mit 2 Kollegen.

Besonders interessant fand ich die dabei die folgende These.

"Ein Minarett ist kein religiöses Symbol, daher kann das Verbot auch keine Einschränkung der Religionsfreiheit sein."

Ein Minarett ist kein religiöses Symbol?
Die Schweiz hat nicht den Bau von runden Türmen mit spitzem Dach verboten. Ob ein runder Turm mit spitzem Dach verboten ist oder nicht hängt alleine vom Zusammenhang des Turm ab. Derselbe Turm auf einem normalen Gebäude ist in Ordnung, aber sobald der Turm in Zusammenhang mit einer Moschee und somit der Religion des Islam steht ist er verboten.
Daraus folgt: Natürlich ist ein Minarett ein religiöses Symbol. Im Grunde war dies der einzige Grund für Ihr Verbot.

Der überwiegende Teil der Diskussion drehte sich aber um die Frage:

Ist das Verbot von Minaretten eine Einschränkung der Religionsfreiheit?

Hier vertraten meine Kollegen die Auffassung:

"Nein, ein Minarettverbot ist keine Einschränkung der Religionsfreiheit, da die Muslime in Ihrem Glauben ja nicht eingeschränkt werden. Sie können nachwievor in die Moschee gehen und Beten zu wem Sie wollen."

Allerdings kann ich so auch folgende Argumentionskette aufbauen.
Unter den Nazis waren Synagogen als ganzes verboten. Allerdings wurde kein Jude daran gehindert zu beten. Die Juden mussten zwar einen Stern tragen und wurden industriell vernichtet, aber selbst in der Gaskammer konnten sie beten wann und zu wem Sie wollen. Demzufolge herrschte unter den Nazis ebenfalls Religionsfreiheit.

Sensationell.

Und so kann man sich dieser Frage auf sehr dramatische Weise nähern.

Stellen wir folgende Frage an die Mehrheit der Deutschen, die Minarette derzeit auch in Deutschland verbieten würde.

Sollten Minarette auch in Deutschland verboten werden?
Ja

Sollten nicht auch Moscheen verboten werden?
Ja, eigentlich schon.

Wenn wir Moscheen verbieten, warum verbieten wir nicht auch die Synagogen, und wenn Sie verboten sind, warum zünden wir Sie nicht an?

An diesem Punkt schwenkt die Zustimmung in blankes Entsetzen.
Der Kollege sagte: "Nur weil ich gegen Minarette bin, möchte ich keine Juden vernichten!!!".

Diese Reaktion ist interessant, weil von "Juden vernichten" hatte ich gar nichts gesagt.

Aber hier zeigt sich

was das Verbot von Minaretten bedeutet

Stören sich die Menschen an runden Türmen oder an en Gebäuden zu denen Sie gehören? Die Antwort ist natürlich, dass die viele Menschen in Europa gar keine Moscheen in Ihrer Nähe haben möchte.
Darüber hinaus gibt es keine "eingeschränkte Religionsfreiheit". Freiheit ist absolut oder man ist nicht frei. Fängt man an die Freiheit einzuschränken, gibt es überhaupt keine moralische Barriere mehr, warum man die Verbote mit der Zeit nicht noch drastisch verschärfen sollte. Und wohin das am Ende führen kann, haben wir vor 60 Jahren auf eindrucksvolle Weise gesehen.

Wenn man sich anschließend fragt, "Wie konnte das alles passieren?", so sehen wir hier einen ersten Schritt in eine gefährliche Richtung.

Aber das wirft eine interessante neue Frage auf...

Warum ist eigentlich eine Mehrheit in Europa für ein Verbot von Minaretten und defacto für ein Verbot von Moscheen?

Das Verbot von Minaretten wendet sich ausschließlich gegen den Islam. Niemand denkt derzeit über ein Verbot von Synagogen oder buddhistischen Tempeln nach. Es geht also schon mal nicht um eine allgemeine Feindlichkeit gegenüber anderen Religionen.

Aber worum geht es dann?

Schlichtweg Angst.

  • Der Kalif von Köln und alle sonstigen Haßprediger,
  • die Schariah
  • der Karrikaturenstreit,
  • die Ermordung des holländischen Regisseurs Theo van Gogh durch den islamischen Fundamentalisten Mohammed Bouyeri,
  • die für uns unbegreiflichen Selbstmordattentate in Madrid, London und natürlich die Anschläge von 11. September
haben dazu geführt, dass der überwiegende Anteil der Bevölkerung sich vor dem Islam fürchtet. Sie haben Angst, dass die Moscheen in Ihrer Nachbarschaft zu einer direkten Bedrohung für Sie werden könnte.

Das ist verständlich und als solches zu akzeptieren.

Aber!

Heute haben wir Angst vor der Ausbreitung des Islam. Vor 60 Jahren Jahren hatten wir Angst vor einer Ausbreitung der Juden. Wir haben heute die gleiche Angst wie vor 60 Jahren!

Worin liegt allerdings die Ursache für unsere Angst vor dem Islam?
Zum einen liegt die Ursache natürlich im Islam selbst, da es ihm nicht gelingt sich ausreichend von den Fundamentalisten zu distanzieren.
Auf der anderen Seite liegt es an unserem allgemeinen Desinteresse gegenüber dem Islam.
Kennt jemand das wichtigste islamische Fest und seine Wurzeln? Kennt jemand die Bedeutung der Pilgerfahrt und des gemeinsamen Gebets in der Mosche?
Das sind wirklich einfache Dinge, die zu einem besseren Verständnis führen könnten. Aber ich mache jede Wette, dass kaum jemand, der sich vor dem Islam fürchtet, diese Fragen beantworten könnte.

Unwissenheit führt zu Unsicherheit, Unsicherheit zu Angst und eine Masse in Angst führt zu........ jedenfalls nichts gutem.

Wie könnte eine Lösung aussehen?

Besonders enttäuschend fand ich z.B. die Reaktion des bekannten Regisseur türkischer Abstammung Fatih Akin, der sich jetzt offen für einem Boykott der Schweiz ausgesprochen hat. Ich z.B. kenne kein einziges muslimisches Land, in dem auch nur ansatzweise Religionsfreiheit herrscht. Ich könnte ja mal versuchen in der Türkei (immerhin ein EU-Beitrittskandidat) eine Kirche zu bauen.

Sehr geehrter Herr Akin,
bevor Sie die Schweizer verurteilen und vielleicht zu folgenschweren Boykotten aufrufen, stellen Sie mir doch bitte mal die Lage der Religionsfreiheit in der Türkei aus Sicht der christlichen Minderheit dar.

Das ist auf jeden Fall schon mal keine Lösung und wird die Lage nur weiter verschärfen.

Die Lösung ist jedenfalls sehr einfach:
Zum einen sollten sich Christen, Juden und Muslime mal die gemeinsame Wurzel Ihrer Religionen vor Augen führen.
Zum anderen kann aber das Bild, welches wir vom Islam haben zu einem Teil nur durch den Islam geändert werden. Wenn man etwas ändern möchte, sollte es die Aufgabe eines jeden Muslims sein, sich klar und entschieden von jeder Art von Fudamentalismus zu distanzieren. Gleichzeitig sollten die Muslime aber auch Verständnis für die derzeitigen Ängste der Christen zu zeigen.
Das kann man sogar verallgemeinern. Generell müßen Fundamenalisten in allen Religionen religionsübergreifend geächtet und somit isoliert werden. Es sollte eine gemeinsame Front aller gemäßigten Christen, Juden und Muslime gegen den Fundamentalismus geben.
Aber wir als christliche Mehrheit müssen uns auch mehr für den Islam interessieren.
Eine Idee wären z.B. Tage der offenen Tür in Moscheen, bei denen vielleicht auch Nicht-Muslime ein Gebet miterleben können. Wenn man dies noch durch die Kommunen fördern würde, wäre dies z.B. ein Schritt der das Verständnis der Christlichen Mehrheit für den Islam stark verbessern könnte.

Ein Beispiel was passieren kann, wenn man Fundamentalisten nicht bremst, ist derzeit übrigens Isreal. Der faschistische Außenminister Israels Awigdor Lieberman hat sich offen für ethnische Säuberungen, Erschießung von muslimischen Parlementsabgeordneten und Deportationen ausgeprochen. Die Tatsache, dass solche Leute gewählt wurden zeigt, dass die Mehrheit der Bevölkerung genauso denkt. Noch erschreckender finde ich, dass solche Leute von der Bundesregierung auf deutschem Boden empfangen werden. Ich hoffe er hat nicht gefragt, ob wir Dachau für Ihn noch mal reaktivieren können.

Samstag, 9. Mai 2009

Pflichtwehrdienst aber Paintball verbieten...

Wer kann mir erklären

* warum wir mit dem Pflichwehrdienst 18 Jährige zwingen das Töten auf Befehl zu lernen, während wir das Freizeitspiel Paintball verbieten wollen?
* warum 12 Jährige im Schützenverein den Umgang mit scharfen Waffen lernen können, wir aber Computerspiele verbieten wollen?
* warum der Privatbesitz von Waffen weiterhin erlaubt sein soll, obwohl 4 von 5 Amokläufen an Schulen mit unsachgemäß gelagerten Waffen des Vater ausgeführt wurden?



Fragen wir bei den Herren Bosbach und Schäuble, Wiefelspütz und Körper doch mal nach...

15.05.2009

Wolfgang Bosbach meldet sich zu Wort...

"Geplante Novellierung des Waffenrechts

Sehr geehrter Herr ABC,

in obiger Sache danke ich Ihnen sehr herzlich für Ihre E-Mail vom 09. Mai 2009 und bitte Sie zunächst angesichts einer wirklich großen Arbeitsbelastung und einer Vielzahl von Zuschriften und Bürgeranliegen um Verständnis dafür, dass ich Ihnen leider erst heute und nur kurz antworten kann.

Bei der Vielzahl der Zuschriften zum Thema „Waffenrecht“ ist es leider beim besten Willen nicht möglich, auf jedes einzelne Schreiben individuell einzugehen und jede Frage zu beantworten, so dass ich hoffe, dass Ihnen die nachfolgende Übersicht über die geplanten Änderungen einen objektiven (!) Eindruck des geplanten Gesetzgebungsvorhabens vermittelt.

Die Kritik einiger Sportschützen verwundert, insbesondere deshalb, weil man beim Deutschen Schützenbund (DSB) mit den geplanten Regelungen „jedenfalls zufrieden ist“. Wortwörtlich sagte der DSB-Vizepräsident Jürgen Kohlheim: „Die Heraufsetzung des Alters für das Schießen mit großkalibrigen Waffen hat für uns nur geringfügige Konsequenzen. Man verfolge ohnehin die Philosophie, jüngere Schützen mit Luftdruck- und Kleinkaliberwaffen trainieren zu lassen.“ Deshalb haben wir mit dem geplanten Gesetz kein Problem. Das gleiche gilt für die häuslichen Kontrollbesuche. Das ist eine sehr ausgewogene Regelung, mit der die Balance zwischen dem Sicherheitsbedürfnis und der Privatsphäre gewahrt wird.“

Wenn sich der Vizepräsident des Deutschen Schützenbundes für alle deutschen Schützen so äußert, warum sollten dann Schützen mit diesen Regelungen ein Problem haben?

Massiver war die Kritik des Deutschen Jagdschutz-Verbandes. Diese Vereinigung der Deutschen Landesjagdverbände hat allerdings eine gesetzliche Vorschrift angegriffen, die nicht beabsichtigt ist. Der DJV hat nämlich in seiner Presseerklärung ausgeführt: „Nach dem vorliegenden Entwurf sollen Behörden künftig das Recht haben, die Aufbewahrung legaler Waffen ohne richterliche Anordnung und gegen den Willen der Besitzer jederzeit zu kontrollieren.“

Dies ist nicht richtig. Wenn der Waffenbesitzer der zuständigen Behörde die Nachschau verweigert, hat diese kein Recht, die Wohnung gegen den Willen des Besitzers zu betreten. Warum der DJV den Gesetzentwurf in dieser wichtigen Passage unzutreffend widergibt, ist mir leider nicht bekannt.

Ich hoffe sehr, dass wir zu einer sachlichen Debatte zurückkehren und hoffe, mit diesen ergänzenden Informationen hierzu einen Beitrag geleistet zu haben.

Mit freundlichen Grüßen und allen guten Wünschen

Ihr


Wolfgang Bosbach



Anlage:



Ergebnisse der Koalitionsarbeitsgruppe

Modifizierungen des Waffenrechts

als Konsequenz der Amok-Tat von Winnenden



Die Waffenbehörde soll künftig nicht nur wie bisher nach Ablauf von 3 Jahren nach Erteilung der ersten waffenrechtlichen Erlaubnis, sondern auch nach Ablauf dieses Zeitraums das Fortbestehen des waffenrechtlichen Bedürfnisses von Waffenbesitzern überprüfen können, § 4 Abs. 4 Satz 3 WaffG (neu)

Die Anhebung der Altersgrenze für das Schießen mit sog. großkalibrigen Waffen im Schießsportverein (mit Schießstandaufsicht und Einverständnis der Sorgeberechtigten) von 14 Jahren auf 18 Jahre, § 27 Abs. 3 WaffG n.F.

Kontrolle der sicheren Aufbewahrung von Waffen und Munition in Räumlichkeiten der Waffenbesitzer soll in § 36 Abs. 3 WaffG verfassungskonform (Art. 13 GG) ausgeweitet werden

BMI erhält in § 36 Abs. 5 WaffG n.F. eine Verordnungsermächtigung für die Regelung neuer Anforderungen an die Aufbewahrung von Waffen und Munition, wobei in der VO u.a. auch die biometrische Sicherung sowohl von Waffenschränken als auch von bestimmten Schusswaffen geregelt werden soll

Einführung eines elektronischen Nationalen Waffenregisters, § 43a WaffG (neu)

Die Meldebehörde soll Waffenbehörde neben Namensänderung, Wegzug oder Tod künftig auch Zuzug von Waffenbesitzern melden, § 44 Abs. 2 WaffG n.F.

Die Behörde erhält in § 46 Abs. 5 Satz 1 WaffG Möglichkeit, eingezogene Waffen zu vernichten

Strafbewehrung der vorschriftswidrigen Aufbewahrung von Schusswaffen und Munition, wenn dadurch Gefahr besteht, dass diese Gegenstände abhanden kommen, § 52 a WaffG (neu).

Einführung einer befristeten Amnestieregelung, nach der Besitzer illegaler Waffen diese bis Ende 2009 straffrei abgeben können, sofern damit keine Straftat begangen wurde

Spiele mit Tötungs- oder Verletzungssimulationen sollen bußgeldbewehrt verboten werden, § 118a OWiG (neu) "



18.05.2009

Wolfgang meldet sich....

"Sehr geehrter Herr ABC,

Bundesminister Dr. Wolfgang Schäuble hat mich beauftragt, Ihnen für Ihr Schreiben vom 9. Mai 2009 zu danken und zu antworten.

Die Überlegungen zur eventuellen Änderungen des Waffenrechts (einschließlich eines etwaigen Verbots von Paintball) sind noch nicht abgeschlossen.

Hierzu wird es voraussichtlich in den nächsten Tagen einen abschließenden Koalitionsvorschlag geben, der in das parlamentarische Verfahren eingebracht wird.

Ich bitte um Verständnis, dass ich diesen Überlegungen nicht vorgreifen möchte.

Aktuelle Informationen finden Sie zu gegebener Zeit auf der Internetseite des BMI (www.bmi.bund.de).

In dieser Hinsicht habe ich Ihre Eingabe vom 9. Mai 2009 entgegengenommen.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr Bürgerservice-Zentrum

Bundesministerium des Innern
- Bürgerservice-Zentrum -
E-Mail: Buergerservice@bmi.bund.de
Internet: www.bmi.bund.de"

Samstag, 14. März 2009

Warum wir wieder einen Amoklauf an einer Schule sehen werden

Gerade hat sich Frau Zypries gegen ein Verbot der Lagerung von Schusswaffen zu hause ausgesprochen. Im Gegenzug fordern jetzt schon wieder die ersten ein Verbot von "Killer"spielen.

Ist Zensur die Lösung?

Wenn wir bestimmte Computerspiele verbieten müssen wir im gleichen Schritt natürlich auch Horrorfile, Actionfilme, bestimmte Bücher, Musik, Internetseiten und Spielzeugpistolen verbieten.

Weg mit Herr der Ringe, ein Soldat namens Ryan, BatMan the Dark Knight, James Bond, Braveheart, Rammstein, Metallica und dem Cowboy an Karneval.

Wenn wir wie Herr Prof. Dr. Helmut Lukesch als Begründung lediglich den "Mangel an kulturellem Verlust" zum Maßstab machen, sind für mich sofort Rosamunde Pilcher, Gute Zeiten schlechte Zeiten, Lindenstrasse und die ganze Volksmusik dran.

Egoshooter kann ich ja stundenlang spielen, ohne aggressiv zu werden. Bei einem Rosamunde Pilcher Film in Tateinheit mit "Schwarzbraun ist die Haselnuss" kann ich aber nach mehr als 10 Minuten nicht mehr für mich garantieren.

Gemessen an dem Maßstab werden im Gegenzug die Frauen zu Recht ein Verbot der Sportschau fordern.

Und da 80% aller schweren Körperverletzungen und 50% aller Tötungsdelikte unter Alkoholeinfluß erfolgen, müssen wir den Alkohol verbieten. Und da laut der Deutschen Krebsgesellschaft jeden Tag 300 Menschen in Deutschland an den Folgen des Rauchens sterben die Zigaretten gleich mit!

Als nächstes verbieten wir wieder dann wieder "oben ohne" und Kußszenen im Fernsehen?
Zurück zu preußischen Tugenden?

Aber was bleibt denn in der Zensur?

Bibel-TV und Sesamstrasse.

16 Waffen im Haus aber Spiele verbieten?

Bestes Beispiel für die derzeitige Debatte ist das Interview mit Prof. Dr. Helmut Lukesch.

So findet der Prof. Dr. es lediglich etwas

"....eigenwillig, wenn der Vater 16 Schusswaffen zu Hause gelagert hat. Aber das ist nicht gleich eine mangelnde Erziehungskompetenz, die zu Problemen führen muss. Es gibt immer Einflüsse von verschiedensten Seiten."

Das heißt, wenn der Sohn mit einer ungesicherten Waffe 15 Menschen tötet ist das kein Zeichen mangelnder Erziehungskompetenz und auch keinesfalls die Vorraussetzung für eine solche Tat. Denn so glaubt Herr Prof Dr. Lukesch.... (Überleitung)

"...fest daran, dass die Gedanken eine starke Macht über den Menschen haben."

Und nach dieser tiefgründigen Analyse stellt er jetzt den "tatsächlichen" Grund gleich fest....

"Man kann sich in Spiele und Videos hinein denken, ohne dass man vorher pathologisch merkwürdig ist. Der Amokläufer konnte anscheinend gut schießen. Auch die Motivation muss da sein. Diese kann aus unterschiedlichsten Quellen genährt werden. Da bietet die Spieleindustrie und Medienwelt vieles an. Beispiel: Terroristen."

Das heißt: Computerspiele verwandeln normale Menschen in Amokläufer und Terroristen. Schießen lernt man keineswegs mehr mit der Waffe in der Hand sondern am Computer! Das Computerspiel als Motivationstrainer für Amokläufer und Terroristen.

Eine interessante Erkenntnis, die aber nur zeigt, dass der gute Mann noch nie eine Waffe in der Hand hatte. Wenn wir mal auf die Schlagworte des Absatzes schauen....

"Amokläufer, Terroristen, schießen, Motivation, Ursache, Computerspiele"

erkennt man, dass Herr Lukesch gerade mit 3 Sätzen aus einem Spiel ein Al-Qaida Terrorcamp gemacht hat.

Aber Gott sei Dank hat der Prof. Dr. auch gleich die Lösung parat, denn....

"Es ist kein kultureller Verlust, wenn dieser ganze Schrott verschwindet und solche Computerspiele vom Markt genommen werden. .... Es gibt tolle Sport- oder Jump-and-run-Spiele,..."

Eine naive wie gefährliche Aussage wie ich finde. Wäre dies ein Maßstab, müßte allein 80% des aktuellen Fernsehprogramms sofort verboten werden. Außerdem bräuchten wir dann jemanden, der uns freundlicherweise sagt, was kulturell wertvoll genug ist und was nicht. Und das hatten wir erst. Damals hies es "Übergebt alles Undeutsche dem Feuer ..." oder "Verbot von West-Fernsehen".

Außerdem glaubt jemand ernsthaft er könne jemanden, der sich eine Waffe besorgen kann davon abhalten ein Computerspiel auf seinem Rechner zu installieren????
Und wer glaubt ich würde in einen Laden gehen um mir ein Spiel zu kaufen? Ich lade mir heute die Spiele einfach aus dem Netz oder ich gehe ich von Amazon.de halt zu Amazon.uk...

Mit den gleichen Argumenten lässt sich übrigens "belegen", dass das Kinderspiel "Cowboy und Indianer" für den Amoklauf verantwortlich war....


Wir verdrehen Ursache und Wirkung

Ich vermute, dass ein nicht unerheblicher Teil der Leute mit Waffenbesitz zu hause mindestens eine Waffe im Schlafzimmer liegen haben. Hätte ich Waffen würde ich doch eine so aufbewahren, dass ich sie griffbereit haben, wenn ich sie mal brauchen sollte....

Aber alle sind sich einig, dass die Waffengesetze nicht verschärft werden sollen.

Aber warum diskutieren wir jetzt über Computerspiele?

Man sieht es schön an dem Wandel der Bezeichnungen.

Computerspiel -> Ballerspiel / Ego-Shooter -> Killerspiel

Und plötzlich ist nicht mehr die Waffe dran Schuld, sondern das Computerspiel.

Die Tat ist für die meisten Menschen so unbegreifbar, dass man die scheinbaren Gründe nicht mehr ernsthaft hinterfragt oder wie der Prof. Dr. sogar Gründe konstruiert. Auf seiner Suche nach Gründen greift sich der Mensch jeden Strohhalm, der sich ihm bietet. Bestes Beispiel ist die Verbreitung der gefälschten Internetbotschaft durch Baden-Württembergs Innenminister Heribert Rech.

Wie man solche Taten ganz gut erklären kann

Einen Erklärungsansatz zu finden ist eigentlich nicht so schwierig.

Eine (angeborene) Depression
Unsere Emotionen wie Angst, Trauer, Liebe, Freude, Haß sind elementare Merkmale des Seins. Nur durch sie spüren wir eigentlich, dass wir am Leben sind. Ein Mensch, der in sich in einer Depression befindet, lebt die meiste Zeit in einem emotionslosen Zustand. In diesem Zustand ist ihm schlichtweg egal ob er lebt oder nicht. Das läßt sich steigern bis zum Hass auf das Leben. Es ist eine Lebensverachtung.
In meinem Bekanntenkreis kenne ich u.a. ein Kind, das mit 12 Jahren an einer schweren Bulimie leidet. Schon als kleines Kind auffällig, bereits jahrelang in Therapie, muß Sie mittlerweile mit der Sonde ernährt werden. Sie wurde weder geschlagen noch mißbraucht und sie hat mehrere Geschwister von denen ansonsten kein einziges verhaltensauffällig ist. Ohne ärztliche Hilfe wäre sie bereits tot. Sie will nicht leben. Therapien können in solchen Fällen nur begrenzt helfen.

Jetzt braucht es eigentlich schon nicht mehr viel.

ein Haßobjekt
Zwangsläufig sucht jeder in der Situation nach dem Grund. Beliebtestes menschliches Schuldobjekt sind "immer alle anderen". Menschen mit Depressionen sind zwangsläufig weniger Gesellschaftsfähig. Die Ausgrenzung muß nicht mal aktiv betrieben werden.
Und wenn ich mein eigenes Leben hasse und "Du" für meine Sitation verantwortlich bist, was bedeutet mir da Dein Leben???

Jetzt braucht man "nur" noch...

eine Waffe
Ohne geht es nicht

und....

Warum wir wieder ein Amoklauf an einer Schule sehen werden


An dem Tag des Amoklauf sprach mich eine Freudin aus Peru auf den Vorfall an und drückte Ihr tiefes Bedauern aus. Will man versuchen diese Taten endgültig zu verstehen, so gelingt dies am besten, wenn man nicht wie üblich nach den Motiven des Täters fragt. Klarer wird es wenn man sich fragt, was der Täter mit der Tat erreicht hat....

Denn indem alle Sender und Zeitungen national wie international wochenlang nichts anderes als den Amoklauf bringen, die Politik neue Gesetze diskutiert, und jeder drüber spricht bieten wir überhaupt erst die Plattform für solche Taten.

Denn es geht bei den Taten nur um eins: Einmal im Leben im Mittelpunkt der Weltöffentlichkeit stehen.

Es ist einfach eine grausame Form der Selbstinzenierung. Und wir sind das Zielpublikum.

Und solange das Zielpublikum so schön mitmacht, werden wir immer wieder solche Amokläufe sehen. Nächstes mal wahrscheinlich noch blutiger mit noch mehr Toten. Ich mache jede Wette bald werden die ersten Bilder oder Videos die Live bei einem Amoklauf gemacht wurden, irgendwo im Netz auftauchen.

Was unterscheidet denjenigen der sich Dokus über den Amoklauf ansieht oder die Bildzeitung kauft von einem Autobahngaffer?

Er steht nicht an der Autobahn.

Wir haben uns mit BigBrother & co mittlerweile daran gewöhnt mit unseren Fernseher im Privatleben von Menschen zu stehen, dass wir es nicht mal mehr ungewöhnlich finden, wenn sich ein Mensch vor laufender Kamera erschießt.

Aber aus Sicht derjenigen mit ähnlichen Gedanken wie der Amokläufer, machen wir so den Amokläufer zum Vorbild, Helden und Märtyrern. Mit anderen Worten.

* Wir machen uns unsere Amokläufer selbst.
* Wir sind ein Teil des Problems.


Wie man schön erkennen kann gibt mittlerweile bereits einen Wettbewerb. Solche Taten werden mittlerweile intensiv geplant und vorbereitet. Wer hat das coolste Video zum Amoklauf, wer hat das coolste Outfit, wer die meisten Waffen, es werden Bomben gebastelt, und natürlich die Hauptfrage:

Wer tötet am meisten?

Lösungsansätze

1.) Eine meiner Meinung nach sinnvolle Maßnahme wäre eine Berichterstattung, die sich auf die Fakten beschränkt. Keine Bilder, keine Titelseite, keine ausführlichen Berichte, keine Dokumentationen, keine Programmänderungen.

Dazu könnte es eine freiwillige Selbstverpflichtungserklärung der Medien geben. Das könnte nur bei den Medien schwierig werden bei denen das Schüren von Ängsten zum Kern ihres Geschäftsmodell gehört (meiner Meinung nach bestes Beispiel: Bild-Zeitung).

2.) Waffen gehören nicht in Privathaushalte. Das angeführte Argument von Frau Zypries, dass mit der Lagerung von Waffen in Schützenvereinen, diese zu einem interessanten Einbruchsobjekt werden kann ich nicht nachvollziehen. Bereits heute lagern in jedem Schützenhaus genug Waffen um eine kleine Armee auszustatten. Dann muß es eben strenge Vorschriften für die Lagerung von Waffen geben. Bei den Brandschutzvorschriften gehts doch auch.
Auch von dem Vorschlag von Angela Merkel, Waffenbesitzer in Zukunft unangekündigt zu kontrollieren halte ich nichts. Sollen wir jetzt 1000 Waffenkontrolleure anstellen, die in der Republik rumreisen und die korrekte Verwahrung von Waffen in privaten Haushalten kontrollieren? Führen wir dann eine Waffenbesitzsteuer ein oder darf das die Allgemeinheit bezahlen?
Außerdem gibt es so etwas wie eine verfassungsmäßig garantierte Unverletzlichkeit der Wohnung. Ohne richterlichen Durchsuchungsbeschluss betritt kein Waffenkontrolleur ungefragt eine Wohnung. D.h. wenn ich meine Waffen nicht ordnungsgemäß gesichert habe, lass ich den Kontrolleur einfach nicht rein. Ende der Debatte.

3.) Kinder in Bezug auf Ausgrenzung sensibilisieren. Aktive Ausgrenzung (Mobbing) sollte von allen an der Erziehung beteiligten Personen nicht toleriert werden. Aber die Kinder sollten auch in Bezug auf passive Ausgrenzung sensibilisiert werden.

4.) Medien sind kein Spielzeug. Wir müssen versuchen Kindern (und Erwachsenen) einen verantwortlichen Umgang mit Medien beizubringen. Wer Videos von Tätern verbreitet leistet einen Beitrag für den nächsten Amoklauf.
Alkohol macht süchtig. Deswegen geben wir unseren Kindern auch keinen. Bestimmte Computerspiele haben ebenfalls ein Suchtpotential. Aber warum lassen wir Sie unkontrolliert 12h oder länger am Computer spielen?
Computer gehören genauso wenig in Kinderzimmer wie volle Bierflaschen. Und wenn ich das schon mache (Computer nicht Bierflasche ;-) ), dann habe ich als Elternteil für einen vernünftigen Umgang mit dem Medium zu sorgen...
Genauso sollten Handies regelmäßig von den Eltern kontrolliert werden.

5.) Mitmachen. Nur wenn genügend Leute diese Vorschläge vertreten wird sich was ändern.

Es ist unsere Gesellschaft, es sind unsere Kinder.


Zum ARD geht es hier
Zum ZDF geht es hier
Zum Spiegel geht es hier.
Zur FAZ geht es hier

Inzwischen wurden auch zahlreiche Bundestagsabgeordnete auf den Artikel aufmerksam gemacht. Das geht am besten hier.

Beiträge zum (nächsten) Amoklauf

Ich hatte es angekündigt. In diesem Video erschießt sich der Amokläufer Tim K vor laufender Kamera. Ich hätte keine besseres Beispiel finden können und kann es fast nicht glauben.
Kein Computerspiel wird jemals einen Menschen so abstumpfen wie diese Bilder!
Der Preis für den größten Beitrag zum (nächsten) Amoklauf geht damit an Spiegel Online! Ihr seid damit endgültig auf dem Niveau der Bild-Zeitung angekommen.

Die blutige Spur des Amokläufers
Bild baut den Amoklauf nach.
Danke Bild für Euren Beitrag zum (nächsten) Amoklauf!

Die Schreie, das Blut, die toten Mädchen - Der Schock der überlebenden Schüler
Danke Abendzeitung für Euren Beitrag zum (nächsten) Amoklauf!
(Man beachte den Kommentar "Wie sich die Medien im Blut der Opfer suhlen.Widerlich")

Schülerin schildert Tod ihrer Klassenkameraden
Danke Netplosiv für Euren Beitrag zum (nächsten) Amoklauf!

Während seines Blutrausches löschte Tim Kretschmer das Leben von 15 Menschen aus...
Danke Märkische Allgemeine für Euren Beitrag zum (nächsten) Amoklauf!

Der Amoklauf im Nachrichtenticker
Danke Focus Online für Euren Beitrag zum (nächsten) Amoklauf!

Amokläufer war "ganz normal, halt (mit Fotoserie zum Amoklauf)
Danke T-Online für Euren Beitrag zum (nächsten) Amoklauf

Die Reportage vom Amoklauf
Danke ZDF für Euren Beitrag zum (nächsten) Amoklauf

Danke BigBrother, Ich bin ein Superstar holt mich hier raus, Frauentausch und allen anderen "Spannerformaten" für Euren Beitrag zum (nächsten) Amoklauf!